Mediation bei Kündigungskonflikten kann auch dann eine zentrale Wirkung entfalten, wenn eine Trennung bereits unausweichlich ist. In diesem vorliegenden Fall führte ein schwelender Konflikt zwischen einem erfahrenen Laborleiter und einer jüngeren Kollegin fast zur Kündigung beider – und hatte das Potenzial, das gesamte Teamklima zu belasten.
Ausgangssituation: Gärende Spannungen und eine vorbereitete Kündigung
Nach mehreren Monaten angespannter Zusammenarbeit – ausgelöst durch eine Überforderungssituation während der Prüfungszeit der Mitarbeiterin und die Abwesenheit des Laborleiters aufgrund einer Reha – waren beide Parteien unzufrieden. Der Laborleiter hatte seine Kündigung bereits schriftlich vorbereitet und kündigte im Rahmen der ersten Mediationssitzung an, diese noch am selben Tag einzureichen – was er dann auch tat, gegenüber seinem Vorgesetzten, einem der Praxisinhaber.
Konfliktthemen nach Beteiligten
| Beteiligte | Konfliktthemen |
| Laborleiter | Gefühl mangelnder Anerkennung, Degradierung, gesundheitliche Belastung |
| Mitarbeiterin | Überforderung in Prüfungsphase, fehlende Klarheit, keine offizielle Rolle |
| Praxisleitung | Unzufriedenheit im Team, drohende Abwanderung weiterer Mitarbeitender |

Bedürfnisse, die sichtbar wurden
| Bedürfnis | Bedeutung im Fall |
| Gesundheit | Der Laborleiter wollte seine Arbeitszeit reduzieren und auf sich achten |
| Anerkennung | Beide Seiten fühlten sich für ihre Leistung zu wenig gewürdigt |
| Struktur | Unklarheiten bei Aufgabenverteilung und Kommunikation führten zu Frust |
| Verlässlichkeit | Wer informiert wen? Wer ist zuständig, wenn jemand fehlt? |
Der Wendepunkt der Mediation
Ein emotionaler Moment veränderte die Atmosphäre entscheidend:
Als die Mitarbeiterin über ihre Doppelbelastung während der Meisterprüfung sprach, erkannte der Laborleiter diese Leistung an – „Darauf kannst du wirklich stolz sein.“
Diese unerwartete Geste führte zu Tränen der Rührung und einem spürbaren Perspektivwechsel auf beiden Seiten. Es war der erste Moment gegenseitiger Anerkennung seit Langem. Beide sahen einander wieder als Menschen, nicht als Gegenspieler.
Ergebnis und Ausblick
Die Mediation führte nicht zur Rücknahme der Kündigung – das war auch nicht das Ziel.
Aber sie ermöglichte eine offene, respektvolle Aussprache, die das gesamte Teamklima verbesserte. Die Praxisleitung wurde im Anschluss ermutigt, einen Teamworkshop zu organisieren, um strukturelle Themen gemeinsam mit allen Mitarbeitenden anzugehen.
Fazit:
Mediation ist nicht nur dazu da, Arbeitsverhältnisse zu retten – sie schafft Klarheit, fördert gegenseitige Wertschätzung und ermöglicht professionelle Abschlüsse, von denen das ganze Team profitiert.