Mediation im Gründerteam
Wie drei Gründer wieder gemeinsam an einem Strang zogen – ein Praxisbeispiel aus einem Reutlinger Start-up
Ein erfolgreiches Start-up braucht mehr als eine gute Geschäftsidee.
Gerade in Gründerteams treffen unterschiedliche Persönlichkeiten, Arbeitsweisen und Erwartungen aufeinander. Solange alles gut läuft, bleibt das oft unbemerkt. Mit wachsender Verantwortung, steigenden Investitionen und wichtigen strategischen Entscheidungen treten Unterschiede jedoch immer deutlicher hervor.
Dieses anonymisierte Praxisbeispiel zeigt, wie drei Gründer durch Mediation ihre Zusammenarbeit neu ausrichteten und wieder zu einer gemeinsamen Vision fanden.
Praxisbeispiel auf einen Blick
| Kategorie | Details |
|---|---|
| Konfliktart | Konflikt im Gründerteam |
| Branche | Start-up |
| Region | Raum Reutlingen |
| Beteiligte | Drei Gründer / Gesellschafter |
| Format | Wirtschaftsmediation |
| Dauer | Dauer des Konflikt: 2 Jahre, Dauer der Klärung: 2 Stunden |
| Ziel | Gemeinsame Ausrichtung & Vision |
Ausgangssituation
Drei Gründer hatten gemeinsam ein Unternehmen aufgebaut.
Die ersten Kunden waren gewonnen, das Geschäftsmodell funktionierte und das Unternehmen entwickelte sich positiv.
Gleichzeitig entstanden immer häufiger Spannungen innerhalb des Gründerteams.
Ein Gründer arbeitete zeitweise aus dem Ausland und war nur virtuell in die Zusammenarbeit eingebunden. Die beiden anderen arbeiteten vor Ort eng zusammen. Dadurch entstanden unterschiedliche Informationsstände und Kommunikationswege.
Gemeinsam formulierten die Gründer zu Beginn der Mediation eine zentrale Leitfrage:
„Wollen wir dieses Unternehmen gemeinsam weiterführen? Und wenn ja – wie schaffen wir es, dauerhaft gemeinsam in dieselbe Richtung zu gehen?“
Woran war erkennbar, dass Mediation sinnvoll war?
Im Verlauf der ersten Gespräche wurden zahlreiche Themen sichtbar:
- unterschiedliche Vorstellungen über die Unternehmensentwicklung
- fehlende gemeinsame Vision
- unklare Entscheidungsprozesse
- unterschiedliche Kommunikationsgewohnheiten
- Fragen zur Geschäftsführerrolle
- Investitionen und Bonität
- Unternehmenswerte
- Zusammenarbeit über Distanz
Vermutlich hätte keines dieser Themen allein das Unternehmen gefährdet.
In ihrer Summe führten sie jedoch dazu, dass wichtige Entscheidungen immer schwieriger wurden.
Welche Konfliktthemen standen im Mittelpunkt?
| Beteiligte | Wahrgenommene Konfliktthemen |
|---|---|
| Gründer Marcel | Neubauprojekt, Bonität, Kommunikation, Unternehmensstruktur |
| Gründer Kilian | Gemeinsame Vision, Unternehmenswerte, Zusammenarbeit |
| Gründer Ron | Gemeinsame Vision, Geschäftsführerrolle, klare Entscheidungsprozesse |
Hinter Konflikten stehen Bedürfnisse
Während der Mediation wurde deutlich, dass alle drei Gründer Erfolg wollten.
Der Weg dorthin war jedoch von unterschiedlichen Bedürfnissen geprägt.
| Marcel | Kilian | Ron |
|---|---|---|
| Ehrlichkeit | Harmonie | Freiheit |
| Verlässlichkeit | Freiheit | System |
| Struktur | Zugehörigkeit | Zugehörigkeit |
| Reputation des Unternehmens | Verbindung | Anerkennung |
| Überblick | Weiterentwicklung | Wertschätzung |
| Wertschätzung | Erfolg | gemeinsamer Erfolg |
| Erfolg |
Gerade diese unterschiedlichen Bedürfnisse erklärten viele Missverständnisse der vergangenen Monate.
Nicht unterschiedliche Ziele standen dem Unternehmen im Weg.
Sondern unterschiedliche Wege, diese Ziele erreichen zu wollen.
Der Wendepunkt der Mediation
Ein entscheidender Durchbruch entstand, als die Gründer nicht länger über einzelne Entscheidungen diskutierten, sondern darüber, wie Entscheidungen künftig überhaupt getroffen werden sollen.
Gemeinsam entwickelten sie einen verbindlichen Entscheidungsprozess.
Dabei vereinbarten sie fünf feste Schritte:
- Alle relevanten Informationen liegen auf dem Tisch.
- Chancen und Risiken werden gemeinsam betrachtet.
- Die Bedürfnisse aller Beteiligten werden einbezogen.
- Zuständigkeiten und Entscheidungsbefugnisse werden geklärt.
- Erst danach trifft das Gründerteam gemeinsam eine Entscheidung.
Ebenso wichtig war die Erkenntnis, dass gute Zusammenarbeit nicht dem Zufall überlassen werden darf.
Die Gründer entwickelten deshalb konkrete Kommunikationsregeln für ihren Alltag.
Dazu gehörten unter anderem:
- tägliche kurze Sales-Calls,
- feste WhatsApp-Gruppen für unterschiedliche Themen,
- Einträge im gemeinsamen Homeoffice-Kalender,
- eine Rückmeldung innerhalb von 24 Stunden – notfalls genügte auch ein Emoji als Zeichen: „Ich habe deine Nachricht gesehen.“
Besonders bemerkenswert war, dass jeder Gründer sich selbst ein persönliches Commitment gab.
Wer gegen eine gemeinsam vereinbarte Regel verstieß, verpflichtete sich freiwillig zu einer kleinen Spende für einen gemeinnützigen Zweck.
So entstand Verbindlichkeit – nicht durch Kontrolle, sondern durch Eigenverantwortung.
Ergebnis
Neben den konkreten Vereinbarungen entwickelte das Gründerteam erstmals eine gemeinsame Vision für die Zukunft des Unternehmens.
Sie definierten gemeinsame Unternehmenswerte.
Dazu gehörten unter anderem:
- Vertrauen
- Innovation
- „Wir sind anders.“
Außerdem beschäftigten sich die Gründer intensiv mit der Frage:
Was bedeutet Unternehmertum eigentlich für jeden Einzelnen von uns?
Alle drei waren sich schließlich einig:
Ein erfolgreiches Unternehmen muss langfristig auch ohne die Gründer funktionieren können.
Vier Monate später trafen wir uns zu einem Nachgespräch.
Mithilfe einer Skalierung reflektierten die Gründer ihre Entwicklung.
Sie berichteten, dass die vereinbarten Kommunikationsregeln inzwischen selbstverständlich geworden waren.
Entscheidungen wurden strukturierter getroffen.
Missverständnisse konnten deutlich früher geklärt werden.
Das Ergebnis auf einen Blick
- Ein gemeinsamer Entscheidungsprozess schuf Klarheit und Verlässlichkeit
- Kommunikation wurde verbindlicher und transparenter, auch über Distanz hinweg
- Gemeinsame Vision und Unternehmenswerte stärkten das Vertrauen im Gründerteam
Was Unternehmen aus diesem Praxisbeispiel mitnehmen können
Konflikte in Gründerteams entstehen selten durch unterschiedliche Geschäftsideen.
Häufig entwickeln sie sich, weil Erwartungen, Rollen und Entscheidungswege nicht ausreichend geklärt sind.
Je erfolgreicher ein Start-up wird, desto wichtiger werden klare Kommunikationsstrukturen und verbindliche Entscheidungsprozesse.
Mediation schafft einen Raum, in dem Gründer ihre unterschiedlichen Perspektiven verstehen und gemeinsam tragfähige Vereinbarungen entwickeln können.
Gerade bei verteilten Teams oder international arbeitenden Gründern hilft sie dabei, Vertrauen und Verbindlichkeit nachhaltig zu stärken.
Passt dieses Praxisbeispiel zu Ihrer Situation?
Konflikte gehören zur Entwicklung vieler Start-ups und Gründerteams dazu. Entscheidend ist nicht, ob unterschiedliche Meinungen entstehen, sondern wie mit ihnen umgegangen wird.
Ich begleite Gründerteams, Gesellschafter und Start-ups im Raum Reutlingen, Tübingen, Stuttgart und Ulm dabei, Konflikte frühzeitig zu klären, gemeinsame Entscheidungen tragfähig zu gestalten und eine Zusammenarbeit zu entwickeln, die auch in Wachstumsphasen Bestand hat.
Wann kann Mediation auch in vergleichbaren Situationen helfen?
Mediation kann besonders hilfreich sein, wenn …
- Gründer oder Gesellschafter immer häufiger über dieselben Themen diskutieren
- die Freude und der Spaß für Einzelne oder alle verloren gehen
- wichtige Entscheidungen immer wieder vertagt werden
- Rollen und Verantwortlichkeiten unklar geworden sind
- Kommunikation zwischen den Gründern stockt oder Missverständnisse entstehen
- einzelne Gründer an unterschiedlichen Standorten oder im Ausland arbeiten
- Investitionen, Wachstum oder neue Projekte Spannungen auslösen
- gemeinsame Unternehmenswerte oder eine klare Vision fehlen
- ein Gründerteam langfristig erfolgreich zusammenarbeiten möchte
💡 Die eigentliche Erkenntnis
Konflikte gehören zur Entwicklung vieler Start-ups und Gründerteams dazu. Entscheidend ist nicht, ob unterschiedliche Meinungen entstehen, sondern wie mit ihnen umgegangen wird.
Ich begleite Gründerteams, Gesellschafter und Start-ups dabei, Konflikte frühzeitig zu klären, gemeinsame Entscheidungen tragfähig zu gestalten und eine Zusammenarbeit zu entwickeln, die auch in Wachstumsphasen Bestand hat.