Wirtschaftsförderung als Brückenbauerin
Wenn Wirtschaftsförderung gelingt, dann nicht nur über Programme, Flächen und Fördermittel. Sie gelingt dort besonders gut, wo Menschen mit unterschiedlichen Interessen in einen tragfähigen Dialog kommen. Genau darum ging es bei der Frühjahrstagung der AG Wirtschaftsförderung des Städtetags Baden-Württemberg in Böblingen.
Die Keynote von Manuela Zehender
Ich durfte dort die Keynote für die Deutsche Stiftung Mediation halten und gemeinsam mit drei KollegInnen Heike Dietze-Rogowsky, Regine Heemann und Jürgen Briem einen Arbeitsraum eröffnen, in dem Mediation nicht als abstrakte Methode, sondern als konkrete Unterstützung für den Alltag von Wirtschaftsförderinnen und Wirtschaftsförderern erfahrbar wurde.
Warum Mediation in der Wirtschaftsförderung so relevant ist
Unter dem Leitgedanken „Wirtschaftsförderung ist Brückenbau“ wurde schnell deutlich, wie hoch der Bedarf ist: Die große Zahl an Anmeldungen zeigte, dass das Thema einen Nerv trifft. Denn Wirtschaftsförderung bewegt sich täglich im Spannungsfeld zwischen Verwaltung, Unternehmen, Politik, Investor:innen und Bürgerschaft. Unterschiedliche Interessen, Zeitdruck, Zielkonflikte und sensible Abstimmungsprozesse gehören hier zum Alltag.
World-Café: fünf Perspektiven auf Konflikte im Praxisalltag
In unserem World-Café mit fünf Thementischen ging es um Konfliktkosten, die Systematisierung von Konfliktbearbeitung, konkrete Fälle aus der Praxis, die Unterstützungsangebote der Deutschen Stiftung Mediation in Baden-Württemberg, den Aufbau einer konstruktiven Konfliktkultur sowie um Mediationserfahrungen in der Wirtschaftsförderung. Besonders wertvoll war die Offenheit der Teilnehmenden: Es wurde nicht über Konflikte „im Allgemeinen“ gesprochen, sondern über echte Herausforderungen aus der Praxis.
Praxisbeispiel aus Überlingen: Beteiligung schafft Akzeptanz
Ein besonderer Höhepunkt war der Beitrag von Stephan Schneider, Wirtschaftsförderer aus Überlingen und selbst ausgebildeter Mediator. Er zeigte anschaulich, wie mediative Elemente bereits im Arbeitsalltag wirksam eingesetzt werden können. Besonders eindrücklich war sein Bericht über den Einsatz eines externen Mediators in einem Anwohner-Unternehmer-Konflikt. Dieses Beispiel machte sehr greifbar, was Mediation möglich macht: Wo Menschen gehört und gesehen werden, steigt die Bereitschaft, Lösungen mitzutragen. Beteiligung schafft Akzeptanz.
Die Deutsche Stiftung Mediation in Baden-Württemberg
Für mich hat dieser Tag einmal mehr gezeigt, worum es der Deutschen Stiftung Mediation geht: Mediation in Gesellschaft und Unternehmen zu tragen. Nicht erst dann, wenn Konflikte eskalieren, sondern frühzeitig. Nicht nur als Verfahren, sondern als Haltung. Und nicht nur in der Theorie, sondern mitten hinein in Verwaltung, Wirtschaft und kommunale Praxis.
Mein herzlicher Dank gilt Claudius Mähler, Dominic Schaudt und Christine Clement-Wiegand für die Einladung und das Möglichmachen. Danke auch an den AI xpress in Böblingen für die inspirierenden Räumlichkeiten und an Tim Rühle für das wunderbare vegane Catering.
Wo unterschiedliche Interessen aufeinandertreffen, braucht es Struktur, Haltung und Gesprächsräume. Genau dort beginnt Konfliktmut.
